Verschiedene Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Frauen und Männer gleichermaßen von der HAART profitieren. In Mexiko wurden einige klinische Studien und Subanalysen präsentiert, die diese Ergebnisse bestätigten.
In Zusammenarbeit mit Abbott untersuchte analysierte eine Forschungsgruppe Daten aus der M05-730-Studie (KaletraSoft-Gel-Kapseln vs. Tabletten) hinsichtlich ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht.
Diese noch laufende internationale Phase III-Studie schließt 664 therapienaive PatientInnen (144 Frauen) mit einer Viruslast > 1.000 Kopien/ml ein, die Lopinavir/r entweder als Soft-Gel-Kapseln oder als Tabletten ein – oder zweimal täglich einnahmen, dazu Tenofovir und Emtricitabin. In Woche acht wechselten alle PatientInnen, die die Kapseln eingenommen hatten, zur Tablettenformulierung, wobei das Dosierungsschema beibehalten wurde. Zu Studienbeginn waren die CD4-Zahlen bei Frauen und Männern vergleichbar. Die mittlere Viruslast lag bei 4.85 log10 Kopien bei den Frauen und bei 5.03 log10 bei den Männern.
Insgesamt war die Einmaldosierung der zweimal täglichen Einnahme nicht unterlegen. Nach 48 Wochen hatten 72% der Frauen und 78% der Männer eine Viruslast unter der Nachweisgrenze erreicht, ein nicht signifikanter Unterschied. Die CD4-Zell-Anstiege waren insgesamt ebenfalls vergleichbar, allerdings war bei Frauen mit einer initialen CD4-Zahl <50 der Zuwachs signifikant höher als bei Männern. Gleich viele PatientInnen in beiden Armen brachen die Therapie ab. Die häufigsten mäßigen bis schweren Nebenwirkungen waren Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, die bei Männern und Frauen mit gleicher Häufigkeit auftraten. Einen Unterschied gab es beim Anstieg der Triglyzeride (Grad 3 und höher): Bei 1% der Frauen und 6% der Männer stieg dieser Wert an, allerdings hatten die Männer schon zu Studienbeginn höhere Werte. Die Forschungsgruppe schlussfolgert, dass die LPV/r-Tabletten trotz höherer Viruslast bei den Männern zu Studienbeginn eine vergleichbare Wirksamkeit bei Frauen und Männern zeigte.
In der CASTLE – Studie verglich eine Forschungsgruppe von Bristol Myers Squibb die Wirksamkeit von LPV/R zweimal täglich mit Atazanavir/r einmal täglich bei therapienaiven PatientInnen. Insgesamt 883 PatientInnen (277 Frauen) wurden den beiden Studienarmen zugeordnet, als weitere Substanzen wurde Tenofovir/Emtricitabin (Truvada) gegeben. Die mittlere CD4-Zellzahl lag bei 200, die mittlere Viruslast bei 5 log10.
Insgesamt erreichten 78% aller PatientInnen im Atazanavir/r-Arm und 76% im PLV/r-Arm nach 48 Wochen eine Viruslast < 50 Kopien. Bei den Frauen waren es 76% und 73% in den beiden Armen, bei den Männern 79% und 78%. Die CD4-Zell-Anstiege lagen bei den Frauen bei 199 Zellen/mm3 bzw. 221 Zellen/mm3, bei den Männern 205 bzw. 219 Zellen/mm3. Im Atazanavir-Arm traten mit geringerer Wahrscheinlichkeit ein Anstieg des Gesamtcholesterins, des non-HDL-Cholesterins und der Triglyzeride als im LPV/r-Arm auf. In beiden Armen litten Frauen etwas häufiger unter leichter bis mittlerer Übelkeit als Männer (ATV/r: 7% vs. 3%, LPV/r 14% vs. 5%). Bei anderen Nebenwirkungen zeigten sich keine Unterschiede.
Die ForscherInnen schließen, dass ATV/r bei therapienaiven PatientInnen eine vergleichbare Wirksamkeit zeigt wie LPV/r, weniger gastrointestinale Nebenwirkungen und ein besseres Lipidprofil.
Zuguterletzt wurden auch die Ergebnisse der ARTEMIS-Studie unter Genderaspekten genauer analysiert, in der Darunavir/r mit LPV/r bei therapienaiven PatientInnen verglichen wird
An dieser Phase III-Studie (in Zusammenarbeit mit Tibotec) wurden 689 PatientInnen in Mexiko und Costa Rica mit einer VL von mindestens 5000 Kopien/ml auf zwei Studienarme verteilt und erhielten entweder Darunavir/r einmal täglich oder LPV/r ein- oder zweimal täglich, plus Truvada. In eine Subanalyse gingen die Daten von 104 Frauen und 239 Männern im Darunavir/r-Arm ein.
Insgesamt erreichten bis zur 48. Woche 84% der PatientInnen im Darunavir/r-Arm und 78% im LPV/r-Arm eine Viruslast von <50 Kopien/ml. Im Darunavir/r-Arm war die Ansprechrate bei Frauen und Männern gleich, ebenso wie die Nebenwirkungsrate insgesamt. Allerdings litten Frauen häufiger unter Durchfall und Übelkeit.
Die Forschungsgruppe schließt, dass es keine klinisch bedeutsamen Unterschiede in der Tolerabilität von Darunavir/r in Bezug auf Geschlecht, Alter oder ethnische Zugehörigkeit gab.
Quellen:
Da Silva A, Cohen D, Gibbs S et al. Impact of gender on response to Lopinavir/ritonavir (LPV/r) tablets dosed QD or BID administered with Tenofovir Disoproxil Fumarate (TDF) and Emtricitabine (FTC) in antiretroviral-naive (ARV) subjects: Results from study M05-730. XVII International AIDS Conference (AIDS 2008). Mexico City. August 3-8, 2008. Abstract TUPE0069
Absalon J, Uy J, Rong Y et al. Gender-based differences in ARV-naive patients treated with boosted protease inhibitors: Results from the CASTLE study (AI424138). XVII International AIDS Conference (AIDS 2008). Mexico City. August 3-8, 2008. Abstract TUPE0062
Andrade-Villanueva J, Herrera G, Chiliade P et al. ARTEMIS: week 48 safety and efficacy of darunavir/r by gender, age and race. XVII International AIDS Conference (AIDS 2008). Mexico City. August 3-8, 2008. Abstract TUPE0064.