von Ulrike Sonnenberg-Schwan

In den letzten beiden Jahren sind viele der Motive der Plakat- und Anzeigenkampagnen der Michael-Stich-Stiftung auf Empörung und Ablehnung gestoßen. Bundesweit haben Aidshilfen und Aidsberatungsstellen, Einzelpersonen, Netzwerke und Gleichstellungbeauftragte viele Städte gegen die zum Teil diskriminierenden und frauenfeindlichen Motive  protestiert, und lange Zeit sah es so aus, als würde der Widerstand nichts bewirken. Nun sollen einige Motive in der Öffentlichkeit nicht mehr gezeigt werden.
 
Auch das bundesweite Netzwerk Frauen und Aids und das Netzwerk der Angehörigen hatten sich mit einem Protestbrief an die Stiftung gewandt. Am 23 Januar waren sieben Vertreterinnen der beiden Netzwerke zu einem Gespräch mit Michael Stich in Hamburg eingeladen. In der  Diskussion, die sehr offen und konstruktiv verlief, wurde die  Kritik an bestimmten Motiven der Kampagne noch einmal deutlich und ausführlich formuliert und die Forderung begründet, in Plakat- und Anzeigenkampagnen auf diskriminierende, frauenfeindliche und entwürdigende Darstellungen zu verzichten.
 
Knapp eine Woche später sicherte die Michael-Stich-Stiftung in einem Schreiben an das Netzwerk zu, die Motive "Hinrichtung" und "Sarg" nicht mehr öffentlich auszuhängen bzw. als Anzeige abzudrucken. Über eine Textänderung des Motivs "Baby" werde nachgedacht. Die Stiftung betont auch, dass es nie ihre Absicht war, die Gefühle von Menschen mit HIV zu verletzen. Schon im Gespräch hatte Michael Stich ein großes Interesse an zukünftiger Kooperation und dem Austausch bei der Entwicklung neuer Kampagnen geäußert.

Die Netzwerk-Vertreterinnen freuen sich sehr über diesen ersten Erfolg, zu dem viele Menschen mit ihren Protesten beigetragen haben. Auch die Frauenreferentin der Deutschen Aidshilfe, Marianne Rademacher, und Vorstandsfrau Sylvia Urban hatten schon im Dezember in einem Gespräch mit Michael Stich die Position der DAH verdeutlicht.
 
Das Netzwerk wird am Ball bleiben, denn natürlich besteht auch weiterhin Handlungsbedarf. Es gibt immer noch Motive, mit denen niemand mehr konfrontiert werden sollte, wie z.B. den "Geier" und die "Füße".

Bericht Michael Stich Stiftung 05.02.2009











Fotografin: Sabine Faber-Gretz