HIV

HIV steht für “human immunodeficiency virus”. Das HI-Virus infiziert Zellen des Immunsystems, insbesondere CD4-Zellen und Makrophagen, und zerstört diese, um sich selbst zu vermehren. CD4-Zellen organisieren die Immunantwort und fördern die Entstehung von Antikörpern. Makrophagen nehmen Viren und andere Fremdkörper in sich auf, um sie unschädlich zu machen (auch: Fresszellen). Das Virus dringt in diese Zellen ein, um sich dort zu replizieren, wobei die Zellen selbst zerstört wird. Zu Beginn der Infektion steigt die Viruslast schnell an, das Immunsystem versucht, dagegen zu kämpfen. Nach einigen Wochen kommt es zu einer grippeähnlichen Erkrankungen, die jedoch wieder verschwindet und meist nicht mit HIV in Zusammenhang gebracht wird. Später sinkt der Virusanteil im Blut wieder unter die Nachweisgrenze, mit herkömmlichen Testmethoden sind dann nur noch die Antikörper nachweisbar.


Erst mit dem fortschreitenden Verfall des Immunsystems steigt die Viruslast wieder an, so dass opportunistische Infektionen nicht mehr abgewehrt werden können, die bei einem gesunden Immunsystem sonst nur sehr selten auftreten, etwa Pneumocystis carinii pneumonia (eine besondere Form der Lungenentzündung) oder bestimmte Pilzinfektionen der Schleimhäute. Es sind zwei Virus-Typen bekannt, HIV-1 und HIV-2.


AIDS

AIDS ist die Folge einer Infektion mit HIV (Acquired immune deficiency syndrome). Ohne Behandlung entwickeln sich meist etwa acht bis zehn Jahren nach der Infektion AIDS-definierende Erkrankungen (opportunistische Infektionen). Dies geht meist damit einher, dass die Anzahl der CD4-Zellen unter 200 pro mm3 Blut fallen. Es kann aber auch sein, dass Menschen mehr als 15 Jahre ohne Einschränkungen mit der HIV-Infektion leben können.


Übertragung

HIV wird durch Sexualkontakt, anal oder vaginal, Bluttransfusionen, die gemeinsame Nutzung von kontaminierten Spritzen oder von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen übertragen. Direkter Blutkontakt birgt das größte Risiko. Beim Sexualkontakt wird das Risiko erhöht durch andere sexuell übertragbare Infektionen oder Verletzungen. Auch beim Oralverkehr besteht eine geringe Übertragungschance, wenn Verletzungen im Mundraum vorliegen.


Test

Die Standardtests – Westernblot oder ELISA – messen das Vorhandensein von HIV-Antikörpern im Blut. Diese sind jedoch erst einige Zeit nach der Infektion messbar. Dieser Zeitraum wird auch „window period“ genannt. Man geht davon aus, dass etwa drei Monate nach der Infektion mit diesen Tests der HIV-Status festgestellt werden kann. Es wird unterschieden zwischen Test mit hoher Sensitivität und hoher Spezifizität. Hoch sensitive Tests können auch minimale Mengen von Antikörpern aufzeigen, diese Tests neigen jedoch dazu, auch falsch-positive Ergebnisse zu liefern. Deshalb wird mit einem hoch-spezifischen Verfahren gegengetestet, bei dem im Prinzip keine falsch-positiven Tests möglich sind.


Therapie

HAART Highly Active Antiretroviral Therapy ist eine Kombination antiretroviraler Medikamente und kann die Virusreplikation verlangsamen, jedoch nicht völlig unterbinden. Kombiniert werden drei oder vier Komponenten aus einem Pool von vier Wirkstoffklassen. Zwei davon beruhen auf dem HIV-Enzym Reverse Transkriptase. Die NRTIs (Nukleosidale Reverse Transkriptase-Inhibitoren) stören als „falsche Bausteine“ die Reproduktion des Virus in der Wirtszelle. NNRTIs (Nichtnukleosidale Reverse Transkriptase-Hinhibitoren) besetzen den Wirkort der reversen Transkriptase und hemmen so die Vermehrung des Virus. Protease ist ein Enzym, dass das HI-Virus benötigt, um sich in der Wirtszelle zu vermehren. Protease-Inhibitoren können dieses Enzym blockieren, so dass nur nicht-infektiöse Viruspartikel entstehen. Fusionshemmer verhindern die Verschmelzung des HI-Virus mit der Körperzelle. Werden diese Wirkstoffen jedoch in Monotherapie gegeben, lässt die Wirkung schnell nach, weil sich Mutationen bilden, die resistent sind. Werden mehrere Wirkstoffe in Kombination gegeben, lässt sich dies verlangsamen. Der Beginn einer Therapie ist abhängig von individuellen Bedingungen, wird jedoch meist ab 200-350 Helferzellen pro µl Blut empfohlen. Entscheidend für den Therapieerfolg und um Resistenzen zu vermeiden, ist, dass der Patient seinen Therapieplan zu mindestens 95% einhält (Adherence). Zu den häufigsten Nebenwirkungen antiretroviraler Therapie gehört die Lipodystrophie. Dabei handelt es sich um Veränderungen des Fettgewebes und des Stoffwechsels, die sich z.B. als Fettgewebeschwund im Gesicht oder als Ansammlung von Fettgewebe z.B. im Nackenbereich äußern.


Quellen


Q&A II: Basic facts about the AIDS epidemic and its impact. UNAIDS Questions and Answers, 2011, http://www.unaids.org/